Wandern in Andalusien

Die schönsten Wanderungen in der Provinz Almería

Wandern in Andalusiens Osten
von der Küste in die Berge

Als wir unser Haus in Andalusien gekauft haben, fanden wir eines Tages beim Aufräumen eine Holzkiste. Ein Schatz? … oder wenigstens eine Schatzkarte? Ok, uns war schon klar, dass wir von unseren Vorbesitzern keinen Schatz „erben“ würden. Aber als wir die Kiste öffneten, war es doch eine schöne Überraschung: die Kiste war voller versteinerter Muscheln und anderen Fossilien. Jetzt wussten wir, wonach wir eines Tages suchen wollten!

Wandern in Andalusien – Der Weg ist das Ziel

Zugegeben, in den ersten Jahren nach unserem Umzug von Deutschland in die spanische Provinz Almería, hatten wir eine Menge Dinge zu tun und Wandern war auf unserer Prioritätenliste nicht direkt unter den Top Ten. … und wenn wir Zeit für eine Wanderung fanden, dann fehlte uns die Zeit, alles schriftlich festzuhalten und fotografisch zu dokumentieren, wie es sich für einen ordentlichen Webseiten-Betreiber gehört 🙂 .

Das hat sich nun zum Glück deutlich verbessert.

  • Unser Cortijo ist ausgiebigst umgebaut und renoviert worden.
  • Das Marketing steht … zumindest so mas o menos wie der Spanier sagt
  • Rezepte, Küche und Wein, vor allem Letzteres, laufen gut.

Und so bleibt endlich Zeit für eines unserer Hobbies, das mal nichts mit Essen und Trinken zu tun hat: Wandern in Andalusien, genauer in unserer Heimat Almería. Naja, im übertragenden Sinne hat das natürlich schon etwas miteinander zu tun, denn so können wir die aufgenommenen Kalorien zumindest zum Teil wieder verbrennen 🙂 .

Wandern in Andalusiens Provinz Almería

Andalusien, oder in unserem Falle die Provinz Almeria, ist ein wahres El Dorado für Wanderfans. Weil wir quasi zwischen Meer und Bergen wohnen, kann man jeden Tag etwas Neues entdecken. Es gibt super schöne Wanderungen am Meer entlang, wo man immer wieder mal die Füße (oder auch andere Körperteile bis hin zum ganzen Selbigen) ins Wasser stecken kann. Oder man wandert durch die Ramblas (ausgetrocknete Flussbetten) über dicken Felsen und durch feinen Sand. Und wenn es einen in die Berge zieht, geht’s direkt hinterm Haus steil bergauf in unser „Hausgebirge“ die Sierra Cabrera oder in der Umgebung in die Wälder bei Séron.

Man kann die Wanderungen sehr kurz halten, aber es gibt mindestens genauso viele Langstreckenwanderungen. Es gibt Wandertouren für Flachlandtiroler, genauso wie für Bergziegen auf zwei Beinen. Manche bieten ein paar kleine Herausforderungen für den Abenteurer in uns allen. Manche sind Rundwege und manche gehen nur in eine Richtung bzw. hin und zurück …

Im Falle von „Ein-Richtungs-Wanderungen“ bieten wir nach Vereinbarung ein „Taxi-Dienst“ an:
wir parken euer Auto am Ziel und setzen euch am Startpunkt ab oder wir sammeln euch wieder ein.

Und selbstverständlich packen wir dir auf Wunsche gerne etwas für den kleinen Hunger zwischendurch. Ihr sollt ja beim Wandern in Andalusien nicht verhungern!

Du wanderst gerne und hast Spaß an unseren Wanderwegen und ihren Geschichten? Wenn du mehr wissen möchtest über Almeria als Wandergebiet dann haben wir vor Ort noch weitere Wandertouren und Ideen für dich! Ab sofort findest du hier aber schon mal eine stetig wachsende Zahl an wunderschönen Wanderungen mit ein paar Bildern zum Lange-Zähne-Machen.

Wir wollen euch zeigen, dass Wandern in Andalusien eine echte Alternative zu den bekannteren Wandergebieten ist. In Sachen Wetter haben wir sowieso die Nase vorn 😉

Auf Facebook und Pinterest posten wir außerdem regelmäßig Eindrücke von unseren Wanderungen.

Wir zeichnen unsere Wanderungen bei Wikiloc auf, sodass du ihnen jederzeit folgen kannst. Neuerdings begleitet uns auch die APP Komoot beim Wandern in Andalusien.

Wandern in Andalusien – unsere schönsten Wanderungen in der Provinz Almería

… und noch eine Bemerkung zur Dauer der Wanderungen: wir machen wahnsinnig viele Fotos, biegen ständig links und rechts vom Weg ab und wundern rum … die Angabe ist also sehr circa 😉

Die Route durch die alte Minenanlage „Union de Tres Amigos“ von Bedár

… die wohl bekannteste Wanderung in der Provinz Almeria

Strecke

Rundweg

Länge

ca. 12 km

Dauer

ca. 3,5 Stunden

Schwierigkeit

moderat

Der erste kühle Oktobermorgen des Jahres. Nach zwei Tagen heftiger Stürme sind die Temperaturen ganz schön in den Keller gegangen und so klingelte unser Wecker morgens um 07.00 Uhr bei nur 15°C – bbbrrrrrhhhh! – wir haben uns offensichtlich ganz schön an die Wärme gewöhnt.

Nach dem Frühstück für unsere Gäste und einem verstohlenen Blick auf die Wettervorhersage war aber schnell klar: es wird warm und sonnig – typisches andalusisches „Herbstwetter“. Also ab in die Wanderklamotten und endlich noch einmal auf zur Minenwanderung in Bedár.

Dieser Rundweg ist wohl die bekannteste Wanderung in unserer Gegend und das letzte Mal sind wir sie im Frühjahr vor 2 Jahren gelaufen. Höchste Zeit also für eine Wiederholung.

Mit dem Auto geht es erst einmal in Richtung Bedár, denn diese wunderschöne Wanderung durch die Minen beginnt kurz vorm Ortseingang. Hier sieht man bereits von der Straße einen „Tunnel“ – die alte Verladeanlage von der Grubenbahn auf die Bahn zum Weitertransport an die Küste – an dem an einem Sonntag auch die parkenden Autos auf Betriebsamkeit schließen lassen. Unterwegs trifft man dann lustigerweise auf niemanden! Wo auch immer sich die Autobesitzer alle rumtreiben …

Wandern in Bedár – das geht ja gut los 🙂

Vom Parkplatz folgt man einfach rechts außen um die Verladeanlage der weiß-grünen Markierung und dann geht es auch direkt einmal ganz schön steil bergauf. Irgendwie beginnen alle tollen Wanderwege in Spanien fast immer erst einmal mit einem ordentlichen Aufstieg. Wer’s bequemer mag kann auch links herum der Straße folgen.

Nach kurzer Zeit führt der Weg durch einen Tunnel an dessen Ende man zum Glück schon ein Licht sieht. Wir bewegen uns hier auf der alten Bahnstrecke, die von den Minen zur Verladestation am Parkplatz führt. Entsprechend einfach ist jetzt die Route zu laufen. Es geht zwar weiter bergauf und bergab aber nie zu steil.

Wandern in Andalusien bedeutet auch Innehalten und den Ausblick genießen

Hat man den Tunnel durchschritten, geht es durch Mandel- und Olivenhaine. Hier und da stehen Johannisbrotbäume und Pinien am Wegesrand. Noch ein kleines Stück bergauf und hinter einer langen Rechtskurve öffnet sich der Blick auf das Tal der Rambla de Serena. Was für ein Ausblick! Ganz links im Hintergrund ahnt man das Meer und den Rest des Hintergrunds bilden das Dorf Mojácar und unsere Hausberge, die Sierra Cabrera, die sich blass grün vom blauen Himmel abheben. Leider sind wir nicht hoch genug, um auch unser Cortijo sehen zu können aber auf dem „Rückweg“ kommen wir noch ein bisschen höher und dann klappt auch das 🙂 .

Nach diesem Ausblick geht es nun ein kurzes Weilchen gemütlich weiter – immer leicht bergab, was schade ist, denn wo’s runter geht muss wir später auch wieder hoch – und den tollen Ausblick immer im Auge.

Und ab geht’s in den wichtigsten Teil des alten Bergwerks

Plötzlich und unerwartet biegt der Wanderweg nach rechts ab und führt durch einen kleinen, kurzen und sehr niedrigen Tunnel (Höhe 1,30m). Vor 2½ Jahren haben wir uns verquatscht und nicht so richtig auf den Weg geachtet … wer diese Abzweigung verpasst landet ganz unten im Tal der Rambla und kann dann den ganzen Weg wieder nach oben laufen. Schön für die Extrakalorien, da kann man direkt ein paar zusätzliche Tapas essen aber irgendwie auch doof 🙂 .

Sobald wir diesen kurzen Tunnel verlassen, gelangen wir immer tiefer in die eigentliche Grubenanlage. Links ist immer noch das Tal der Rambla de Serena und rechts sieht man immer wieder die Eingänge zu den unterschiedlichen Stollen. Wir selber laufen wieder auf dem ehemaligen Gleisbett der Grubenbahn. Das verraten uns die alten Holztrassen die alle halbe Meter den Trampelpfad säumen. Aber verglichen mit dem Weg bis zum Tunnel waren vorher wohl eher Gruben-ICEs unterwegs. Hier können es nur noch kleine Loren gewesen sein, die den Abraum direkt aus dem Berg geholt haben.

Tunnel, Tunnel und noch mehr Tunnel

Der Weg zum nächsten Stollen ist auf ca. 5m Länge sehr schmal weshalb man zur Sicherheit Taue an die Bergwand angebracht hat an der man sich festhalten kann. Wir sind heute zu fünft unterwegs und das Tau hat nur einer – mit etwas Höhenangst – benutzt. Alle anderen fanden den „Trampelpfad“ immer noch breit genug.

Nachdem auch dieser Stollen in leicht gebückter Haltung passiert ist, dürfen zum Dank ein paar Höhenmeter auf einer Uralt-Treppe erklommen werden. Zu der Zeit als diese gebaut wurde gab es definitiv noch keine DIN-Norm für Stufen.

Immer noch befinden wir uns auf dem Weg der alten Grubenbahn der uns über eine wirklich ziemlich pittoreske Brücke weiter führt. Ab hier wird der Weg wieder breiter.

Von nun an geht es über einen relativ langen Zeitraum immer weiter bergauf. Immer wieder stolpern wir über irgendwelche Gebäude der alten Grubenanlage aber nur entfernt können wir uns vorstellen, wie das hier zu Zeiten der Nutzung wirklich ausgesehen hat. Gegenüber der Stille, die uns heute beim Wandern umgibt, muss damals lautes und emsiges Treiben die Geräuschkulisse um einige Dezibel in die Höhe getrieben haben.

La Serena – der hübsche Weiler an Bedárs Mine

Kurz bevor wir das Dorf La Serena erreichen, gibt es noch den Aussichtspunkt „El Hoyo Jupiter“, ein alter Verladeturm der Grube „Tres Amigos“.

Im Weiler La Serena angekommen läuft man immer „grade aus“ bis man an eine T-Gabelung kommt. Hier biegen wir links ab und erreichen so den alten Dorfbrunnen. Kurz ein bisschen den Schweiß abwaschen und ein Schluck aus der Wasserflasche und weiter geht’s zur letzten Etappe. Wir folgen der Straße für einige Zeit, um dann bei der ersten Möglichkeit rechts abzubiegen. Dieser Weg kommt oberhalb des Tunnels aus durch den wir als erstes gegangen sind und damit sind wir nur noch wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Leider fehlen auf diesem letzten Stück die grün-weißen Markierungen, die uns bis La Serena so zuverlässig den Weg gewiesen haben.

Diese Wanderung besticht mit ihrer tollen Natur aber vor allem natürlich auch mit den kleinen Abenteuern, die diesem Wanderweg das gewisse Etwas geben – das etwas Mehr als einfach nur „laufen“.

Das Bergwerk von Bedár – eine Kurzfassung

Für alle Detailverliebten noch die Information, dass es sich in Bedár um ein Eisenbergwerk handelt, das so, wie wir es heute sehen, zurückgeht auf Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings gibt es Aufzeichnungen, die belegen, dass bereits die Mauren im späten 15. Jahrhundert hier Mineralien abbauten …
Tja, beim Wandern in Andalusien erlebst du auch immer ein Stück andalusischer Kultur 😉

Die Route durch das Tal der Fossilien bei Alfaix

… und weiter in die Ausläufer der Sierra Cabrera

Strecke

Rundweg

Länge

ca. 12,5 km

es gibt eine Abkürzung auf ca. 8 km und eine Verlängerung auf ca. 15 km

Dauer

ca. 4 Stunden

Schwierigkeit

moderat

… mit einer „kleinen“ Herausforderung

Fossilien soweit das Auge reicht

Wir hätten früher losgehen sollen! Es ist Ende September und am Morgen erschien es uns eigentlich noch recht kühl. Vor uns liegen knapp 13 km und die Vormittagssonne, die inzwischen schon relativ hoch steht, heizt das Tal von Alfaíx ganz ordentlich auf.

Eine Brise weht durchs Tal und guten Mutes laufen wir los.

Schon nach kurzer Strecke stehen wir inmitten der riesig hohen Felsspalten von denen wir schon so oft gehört haben. Das Tal der Fossilien öffnet sich genau vor unseren Augen und wir hoffen, dass wir auf den unzähligen Fotos den unsagbar schönen Anblick zumindest ein wenig einfangen können.

Die Berge scheinen um uns herum mehrere hundert Meter hoch aufzuragen und unten laufen wir und staunen – ok, das mit dem laufen und staunen ist das einzige, was an diesem Satz nicht maßlos übertrieben ist – es sind natürlich nicht mehrere hundert Meter. Hier hat sich ein ausgetrockneter Fluss durch den Sandstein gegraben und sorgt für den majestätischen Anblick der Ufer …

Zum Glück legt sich zwischen den hohen Felsen ein kühler Schatten über den Wanderweg, denn der Weg ist nicht ganz einfach zu laufen. Man braucht hier nicht nur gutes, festes Schuhwerk – auch der Rest des Körpers muss richtig ran. Die Spalte ist an manchen Stellen mit recht dickem Schilfrohr bewachsen, so dass man die Hände und Ellbogen braucht, um sich Platz zu verschaffen. Manchmal muss man sogar ein paar Meter gebückt laufen, um überhaupt weiter zu kommen.

Zwischendurch kommt man immer wieder mal auf kleine Lichtungen, wo das wärmende Sonnenlicht auch die Fossilien in den Bergen funkeln lässt. Man kann genau sehen, dass der ganze Landstrich vor langer Zeit unter und nicht über Wasser lag. Die Berge sind voller Muscheln.

Wie kommt man darauf hier wandern zu gehen?

Als wir unser Haus gekauft haben fanden wir eines Tages eine Holzkiste mit Muschel-Fossilien. Da wussten wir, wonach wir eines Tages suchen wollten. Allerdings müssen wir die weitere Wanderung ohne Fossilien antreten. Um diese aus dem Berg zu lösen braucht es wohl Hammer und Meißel … oder besser einen Akku-Schlagbohrer … wenn wir jemanden finden, der ihn trägt 🙂 . Die einfachere Variante ist wahrscheinlich, es nach einem starken Regenfall nochmal zu versuchen – vielleicht lösen sich dann so manche Fossilien ganz von alleine. Nachteil: wir müssen nach dem Regen die ersten Wanderer sein, sonst sind die guten Stücke alle schon weg … 🙂

Die Landschaft macht uns ziemlich sprachlos. Schon bald überqueren wir ein kleines Bächlein. Bächlein ist vielleicht zu viel gesagt – eher ein Rinnsal aus Restfeuchtigkeit das hier im Schatten irgendwie den Sommer überdauert hat – aber wenn man in einem Wüstenklima lebt, ist man selbst davon schon total aus dem Häuschen.

Mission Impossible meets Tarzan in der Provinz Almeria

Und plötzlich vor uns: ein schier unüberwindlicher Riesenfels mit … einer Kordel! Schnell war klar, dass es hier vollen Körpereinsatz braucht – Mission Impossible kennen wir nicht! Beim Näherkommen war der Fels dann glücklicherweise doch eher ein Stein und so war der Aufstieg mit „Sicherungsseil“ eine spaßige Sache und nicht wirklich schwer. Aber man bekam zumindest das Gefühl ein kleiner Abenteurer zu sein … die Waschlappen Tarzan und Tom Cruise sind nichts gegen den Wandersmann, der dieses Hindernis bezwungen hat!

Die Felsspalte selber war nicht einmal 2 km lang aber trotzdem wir haben eine Stunde für diese kurze Strecke gebraucht. Das schulden wir dem etwas anspruchsvollerem Weg und den vielen Bildern die wir gemacht haben 🙂

Als wir am Ende das Tal der Fossilien verlassen, laufen wir weiter durch das ausgetrocknete Flussbett, vorbei an einer Ruine die aus besseren Zeiten stammen muss, als der Fluss noch Wasser führte und das Land fruchtbar war.

Die Sierra Cabrera – unsere Heimat ist ein Geheimtipp in Sachen Wandern in Andalusien

Es geht durch die Ausläufer der Sierra Cabrera, unseres „Hausgebirges“ mal bergauf, dann wieder bergab, mal sanft, mal etwas anstrengender.

An der nächsten Ruine hat sich offenbar ein Jäger einen alten Stuhl wieder „sitzfähig“ gemacht. Von hier aus hat er einen super Ausblick über das Tal und kann seine Beute wohl recht einfach erlegen. Unsere Aufmerksamkeit gilt aber den Granatapfelbäumen die hier an verschiedenen Stellen wachsen. Da wir schon einiges von unserem Wasservorrat leergetrunken haben, haben wir im Rucksack bereits ausreichend Platz, um ein paar knallrote Exemplare zu verstauen. Wir freuen uns schon darauf sie später zu genießen.

Von nun an geht es weiter bergauf, um oben auf einem recht breiten und bequemen Weg durch die endlosen Schleifen der Sierra Cabrera zu wandern. Immer wieder mit einem tollen Blick bis hinunter zum Meer.

Der Original-Wanderweg dem wir ursprünglich folgten, macht noch einen Abstecher zum Cortijo Grande und biegt erst dort zum ehemaligen Flughafen von Turre ab. Wir kürzen den Weg etwas ab und sparen 3 km … wenn wir noch etwas zum Mittag essen wollen, müssen wir uns sputen. Die Spanier verstehen beim Thema Essenszeiten bekanntlich wenig bis gar keinen Spaß 😉 .

Zitronenblüte ist Verführung pur!

Zum Abschluss unserer Wanderung – bevor wir wieder Alfaíx erreichen – laufen wir vorbei an einer riesengroßen Plantage. Zitronen soweit das Auge reicht. Also beschließen wir hierher zurück zu kehren, wenn die Zitronenbäume blühen. Der Duft muss unglaublich sein bei der Menge an Bäumen. Leider kann man das noch nicht digital festhalten … Geruchsausgabe am Computer wär doch mal ’ne Erfindung … auf der anderen Seite, live und in Farbe ist sowieso besser 🙂 .

Ein „Spaziergang“ im Hinterland von Turre

Durch den Rio Aguas und die Rambla Estrecho

Strecke

Rundweg

Länge

ca. 9 km

Dauer

ca. 2,5 Stunden

Schwierigkeit

einfach

Puhhh, jetzt sind wir aber im Wanderfieber! Quasi von 0 auf 100 durch Andalusien – naja, durch die Provinz Almería – sind wir in jeder freien Minute auf Schusters Rappen unterwegs.

Wandern in Andalusien: heute mal nur ein „kurzer Spaziergang“ in Turre

Heute muss es aus Zeitgründen mal etwas schneller gehen. „Es“ und nicht „wir“. Wir wollen natürlich nicht schneller gehen 🙂 . Wir haben uns also eine Route ausgesucht, die einfach und ohne großes Auf und Ab zu laufen ist und die außerdem keine 10 km lang ist. Praktischerweise liegt sie auch noch fast vor der Tür … noch mehr Zeit gespart.

Also fahren wir 5 Minuten auf die andere Seite des Ortes Turre und parken dort am Restaurant von Tio Tomas, das bei der Rückkehr noch eine Rolle spielen wird.

Turre und sein berühmter Rio Aguas

Wir müssen kurz zurück zur Hauptstraße laufen, da wir zur Rambla des Rio Aguas wollen. Aber sein Grundstück liegt quasi im Weg und so müssen wir über die Straße einmal drum herumlaufen.

Wir biegen dann zuerst in die Rambla de Mofara ab und am Anfang zeigt sich diese Wanderung sehr einfach zu laufen. Fast ein bisschen langweilig, breite Rambla, keine Störfaktoren. Etwas enttäuscht trotten wir vor uns hin, aber die Abzweigung in die Rambla de Rio Aguas ist nicht mehr weit und hier erwarten wir doch deutlich mehr Spannung.

Und diese wird auch nicht enttäuscht. Gleich nach dem wir links in den Rio Aguas abgebogen sind verändert sich die Landschaft. Wo anfangs noch dicke Steine das Flussbett etwas holprig machen nimmt der Bewuchs Stück für Stück zu und endlich dürfen wir uns mit Armen, Beinen und Händen wieder mühsam den Weg durchs Dickicht freischaufeln.

Herbst in Turre – 30°C und blauer Himmel

In einem Abschnitt haben wir plötzlich das Gefühl im Wald zu stehen. Wir laufen über waldigen Boden und durch, naja die andalusische Form, von Herbstlaub. Ach ja, und nicht zu vergessen, trotz der 30°C die das Thermometer anzeigt … nein, nicht das Fieberthermometer. An anderen Stellen sind, auch nach dem heißen und trockenen Sommer, noch einige größere und kleinere Pfützen übrig geblieben. Hier haben die Frösche ein wahres Paradies gefunden, geschützt vom hohen Schilf am Rand, in das sie auch alle direkt hüpfen, als unsere Schritte ihre Ruhe stören.

In der Nacht vorher müssen auch größere Tiere, wie Wildschweine und Bergziegen, hier am Wasser ihren Durst gelöscht haben, denn überall ist der Boden aufgewühlt von den unzähligen Huf-, Fuß-, Pfoten-, Krallen- und Wasweißich-Abdrücken.

Das Dickicht wird immer dichter, die Pfützen mehr und größer und so müssen wir an einigen Stellen zwei, drei verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, um weiter zu kommen. An den freieren Stellen ist die Rambla hier besonders spannend: durch das inzwischen versickerte und verdunstete Wasser und die extreme Trockenheit hat sich eine imposante „Puzzle-Landschaft“ gebildet, da die Erde überall reißt. Das sieht schon irgendwie sehr besonders aus.

Turre – ein Dorf am Fuße der Sierra Cabrera

Aber hier verlassen wir die Rambla jetzt und versuchen, den Weg zu finden und zu erreichen, der uns nach oben aus dem Flussbett und dann weiter in die Ausläufer und ersten Hügel der Sierra Cabrera, unserer Hausberge, führen wird.

Der Weg nach oben scheint auf den ersten Metern gar nicht so einfach zu erklimmen, aber zum Glück bietet er dadurch auch eine kurze Verschnaufpause und alle tanken mal Wasser nach. Letztlich stimmt aber die Angabe „leicht“ zu dieser Route doch 🙂 .

Oben angekommen führt der Weg vorbei an ein paar Privathäusern. Wir überqueren die Straße nach Turre und flüchten wieder in die unberührte Natur.

Die Sierra Cabrera und die Rambla del Estrecho

Auf dieser Seite führt uns der Weg nun in die Rambla del Estrecho. Anfangs ist die Route gesäumt von hohen Felsen zwischen denen dann später wieder Schilf und Gebüsch wuchert, durch das man eher kriecht als wandert. Interessanterweise fanden wir auch hier wieder einige Felsen, die gespickt waren mit Muscheln, wie wir sie von unserer Wanderung durch das Tal der Fossilien bereits kannten. Es ist wirklich unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass diese ganze Landschaft irgendwann einmal tief unterhalb des Meeresspiegels lag.

Noch eine letzte Kurve und wir überqueren die Straße wieder und stehen kurze Zeit später am Auto … naja … und am Restaurant von Tio Tomas. Praktisch, wenn ein Rundwanderweg an einem Restaurant beginnt … wir stellen fest, dass wir trotz der „kurzen Runde“ TOTAL erschöpft sind und nehmen das direkt als Entschuldigung, um unserem anderen Hobby zu frönen: zur Belohnung gibt’s ein kühles Bier und ein paar Tapas.

Du siehst, wandern in Andalusien muss nicht immer Extremsport sein. Manchmal ist es auch nur der Weg zu einer leckeren Erfrischung 😉